Neues Leben für die Botschaft
- Text: Peter Butenschøn
- Fotos: Klaus Mellenthin
Durch eine Umgestaltung der ehemaligen US-Botschaft in Oslo werden der ursprüngliche Charakter des Gebäudes wieder hergestellt und seine architektonischen Details verfeinert. Gleichzeitig werden technisch fortschrittliche und funktionale Standards integriert, insbesondere durch den Einbau eines mehrstöckigen automatischen Parksystems.

Die Erkenntnis, dass die Architektur von Botschaftsgebäuden einen Teil zur nationalen Identität beiträgt, hat zunehmend Einfluss darauf genommen, wie das norwegische Außenministerium seine internationalen Immobilien verwaltet. Paradebeispiel hierfür sind die norwegische Botschaft in Stockholm – ein 1952 entstandenes Meisterwerk nach einem feinfühligen und sorgfältigen Entwurf von Knut Knutsen –, und auch die Vertretungen in den Nordischen Botschaften Berlin, sowie in Kathmandu und Peking. Diese Gebäude sollen einen kulturellen Ausdruck vermitteln und nach Möglichkeit einen norwegischen politischen Konsens widerspiegeln. Dieser definiert das Verständnis davon, wie die Norweger in der Welt wahrgenommen werden möchten. Denn eine Botschaft ist letztlich auch ein politisches Statement.
Botschaft mit Symbolfunktion
Als die US-Botschaft 1959 in Oslo nach einem Entwurf des finnisch- amerikanischen Architekten Eero Saarinen errichtet wurde, sahen viele darin ein markantes und unverwechselbares Symbol einer mutigen und dynamischen amerikanischen Gesellschaft – und gleichzeitig den Triumph der Nachkriegs-Industrieästhetik in Europa. Wie Saarinen es ausdrückte, sollte ein Botschaftsgebäude eine schlichte Form, edle Proportionen und eine zurückhaltende Materialauswahl aufweisen – ruhig und vornehm, wie ein „Gentleman in weißer Fliege und Frack“. Ihr Design war deshalb präzise, industriell, kompromisslos, vorgefertigt – und ausgesprochen selbstbewusst.

Die Architekturbüros Lundhagem und Atelier Oslo leiteten die Umgestaltung des heute unter Denkmalschutz stehenden Gebäude zu einem Zentrum für Büros, Konferenzen und Restaurants. Sie arbeiteten mit Erik Langdalen und Jorge Otero-Pailos sowie mit den Innenarchitekten Paulsen & Nilsen zusammen. Ihr Ansatz basierte auf der Erkenntnis, dass es sich um ein schlüssiges und vollständiges architektonisches Werk handelte – also ein Werk, das nicht verändert oder mit stilistisch kontrastierenden Ergänzungen versehen werden durfte. Gleichzeitig musste es nach jahrzehntelangem Verschleiß – und für heutige Nutzungsanforderungen – technisch und funktional grundlegend modernisiert werden. Die Architekten setzten sich dafür intensiv mit dem modernistischen Denken der Nachkriegszeit auseinander, welches Saarinen so genial repräsentierte.
Das Nordische und das Amerikanische
Eero Saarinen etablierte sich, zunächst im Büro seines Vaters Eliel Saarinen und ab den 1950er Jahren mit seinem eigenen Büro, als führender Verfechter der neuen, dynamischen, amerikanischen Industriearchitektur. Er entwarf Hauptsitze und Produktionsstätten für General Motors, IBM und Bell Telephone am Rande der Industriestädte des Mittleren Westens sowie Bürohochhäuser in Manhattan. Seine Architektur zeichnete sich durch glatten Stahl, dünne Fassaden und vorgefertigte Betonelemente aus, die so präzise wie handpolierter Marmor waren. Seine Gebäude steigen wie souveräne, rechteckige Objekte aus flachen Landschaften mit Rasenflächen, an Autobahnen, vor breiten Autos und effizienten Einkaufszentren empor.

Die Architektur vermittelte eine neue Sozialordnung sowie ein Bild von uneingeschränkter Freiheit und höchsten Ambitionen der Moderne. Dies musste auch eine amerikanische Botschaft widerspiegeln – als Symbol für das Land und seine kulturellen Bestrebungen während des Kalten Krieges gegen eine drohende sowjetische Unterdrückung. Das Gebäude, ein Geschenk der Norweger nach dem Zweiten Weltkrieg an die Amerikaner, als Dank für die Unterstützung im Kampf gegen Nazi-Deutschland, sollte als ideologisches Kulturhaus fungieren: offen, innovativ und einladend.
Besuchende konnten direkt von der Straße aus einen ruhigen zentralen Raum mit Spiegelbecken und Bänken betreten oder über eine breite Treppe zur offenen Bibliothek im zweiten Stock gelangen. Diese erstreckte sich über die Gesamtlänge des Gebäudes entlang der verkehrsreichen Straße, Drammensveien, und bot durch die großen Fenster einen Blick auf die Bäume im Park des Königspalasts. Mit der Zeit verblasste diese offene und einladende Atmosphäre. Die Botschaft wurde verschlossener, ihre Funktionen weniger zugänglich. Als die Straßen vor der Botschaft sich mit Protestmärschen gegen den Vietnamkrieg, die Irak-Invasion und anderen Symbolen des kapitalistischen Neokolonialismus füllten, wurde das Gebäude mit explosionssicheren Barrieren, biometrischen Kontrollen, schweren Pollern, Polizeihütten auf Stelzen und militärtauglichem Datenschutz abgeschirmt. Im Jahr 2017 wurde die amerikanische Botschaft in einen abgelegenen Komplex weit außerhalb des Stadtzentrums und fern öffentlicher Sichtweite verlegt.
Eine technische Herausforderung
Als das Gebäude 2017 unter Denkmalschutz gestellt wurde, lag die Betonung auf seiner ursprünglich offenen Zugänglichkeit aus dem Jahr 1960, nicht aber auf den späteren Umbauten für eine stärker abgeschirmte und exklusive Nutzung. Die Herausforderungen für die Architekten der Restaurierung waren erheblich. Anstatt ein Stockwerk hinzuzufügen, vergrößerten sie die Nutzfläche durch einen 12,5 Meter tiefen Untergrundaushub von 6.100 auf 9.200 Quadratmeter. Dadurch entstand zusätzlich Platz für ein Auditorium, ein Restaurant, Parkplätze und neue technische Anlagen. Die technischen Einrichtungen im obersten Stockwerk wurden in das neue Untergeschoss verlegt, wodurch die oberste Etage für ein Restaurant und Dachterrassen frei wurde.

Die Parkplatzplanung war dabei besonders herausfordernd – wo sollten die erforderlichen Stellplätze auf dem bereits komplett bebauten Grundstück unterkommen? WÖHR Autoparksysteme GmbH lieferte mit einem platzsparenden, vollautomatischen Parksystem die Lösung: Der WÖHR Multiparker 740 bietet Platz für 28 Fahrzeuge auf vier schmalen Ebenen im Untergeschoss. Die Nutzer parken ihr Fahrzeug ebenerdig in einem hellen, modernen Übergabebereich im Inneren des Gebäudes und holen es dort auch wieder ab. Eine integrierte Drehscheibe erleichtert das Ein- und Ausfahren, jeweils in Fahrtrichtung. Das Regalbediengerät des automatischen Parksystems transportiert die Palette mit dem Fahrzeug in ein unterirdisches vierstöckiges Hochregal, das Starten des Ein- und Ausparkvorgangs erfolgt im Übergabebereich am Bedienelement mittels RFID-Chip.

Die Wandverkleidungen aus dunklem Holz wurden unter Verwendung von Originalmaterialien sorgfältig restauriert. Moderne Sicherheitsschlösser und aufgeblähte Alarmanlagen wurden entfernt und die Türoberflächen mit chirurgischer Präzision repariert. Dafür kam recyceltes Teakholz zum Einsatz, das beim Abriss eines Regierungsgebäudes anfiel. Die Gitterwand im Hauptatrium wurde restauriert und geschliffen, bis sie wieder ihre ursprüngliche Schärfe und ihren Glanz hatte. Ebenso wurden die Fassadenverkleidungen, aus einer Mischung von hartem Beton und zerkleinertem schwarzem Labradorit, repariert und poliert.
Eine neu interpretierte Bauplanung
Bei der Umgestaltung der Botschaft erhielten die Architekten- und Ingenieurteams vom Auftraggeber einen großzügigen kreativen Spielraum. Das Projekt erforderte erhebliche finanzielle Mittel und Geduld. Heute beherbergt das Gebäude neben dem Hauptsitz seines Eigentümers Fredensborg AS auch Büros von Menschenrechtsorganisationen wie Save the Children und Amnesty International. Außerdem gibt es dort Konferenzräume, drei öffentliche Restaurants und ein Café. Das Ergebnis zeigt klar, dass eine derartige Umgestaltung neue Mehrwerte schafft. Dabei wurde das Gebäude nicht einfach verdeckt, sondern neu interpretiert und verfeinert – ein Akt kreativer Erneuerung. Das Projekt bestätigt die ungebrochene Bedeutung des Gebäudes sowohl für das Stadtbild als auch für die Geschichte. Genau solche professionellen Fallstudien braucht die Architekturdebatte.
Produktinformationen
Multiparker 740
28 Stellplätze
4 Parkebenen mit je 7 Stellplätzen pro Ebene
180°-Drehvorrichtung für bequemes Ein- und Ausparken
Dauer des Parkvorgangs 90 – 135 Sekunden
E-Laden auf allen Stellplätzen
Bedienung per RFID-Chip
verschiedene Fahrzeughöhen: 210 cm und 160 cm
Fahrzeuglänge max. 525 cm
Fahrzeuggewicht max. 2,7 t


Ehemalige US-Botschaft, Oslo
Architekten
Atelier Oslo ist ein junges Architekturbüro das umweltbewusste öffentliche Gebäude und Umbauprojekte entwirft. Das Portfolio reicht von größeren Stadtentwicklungsprojekten bis hin zu Einfamilienhäusern, Holzhütten und Installationen. Durch ihre eingehende Analyse von Raum, Menschen und Umwelt entwickelt Atelier Oslo reichhaltige und vielfältige Projekte. Ihre Arbeitsweise basiert auf Neugier und interdisziplinärer Zusammenarbeit und führt zu innovativen, nachhaltigen Lösungen. 2006 von Nils Ole Bae Brandtzæg, Thomas Liu, Marius Mowe und Jonas Norsted gegründet, arbeiten heute 15 Architekten mit vielfältigem und internationalem Hintergrund zusammen.
Lundhagem ist ein Architektur- und Stadtplanungsbüro mit Sitz in Oslo. Das Büro entwirft Architektur, Landschaften und Innenräume, im Sinne der nordischen Designtradition – inspiriert von Minimalismus und Funktionalität, im Dialog zwischen Natur und gebauter Umwelt. 1990 von Svein Lund und Einar Hagem gegründet, beschäftigt es heute über 60 Mitarbeitende und wird von fünf Partnern geleitet. Ob kleines Haus oder städtischer Masterplan – ihre Arbeit spiegelt die Überzeugung wider, neueste Fortschritte von Technologie und Nachhaltigkeit zu kombinieren und gleichzeitig lokale Materialien und handwerkliche Traditionen zu nutzen.