Hybrid aus Holz und Beton
- Text: Ruth Haller
- Fotos: Klaus Mellenthin
Ein neues Stück Stadt am Wasser – im Elbbrückenquartier der Hamburger HafenCity erhebt sich das Holzhochhaus Roots. Es markiert einen prägnanten Baustein im neuen Quartier und gilt als ein Referenzprojekt für den urbanen Holzbau in Deutschland.
Auf einem 3200 Quadratmeter großen Grundstück im Baakenhafen markiert der Bau mit einer Höhe von 65 Metern einen weithin sichtbaren Orientierungspunkt im Elbbrückenquartier und bildet gemeinsam mit benachbarten Projekten wie dem geplanten Elbtower den östlichen Abschluss der HafenCity.
Das Bauwerk steht auf einem Areal, das durch Aufschüttung und Neulandgewinnung im Baakenhafen erst städtebaulich nutzbar gemacht wurde. In diesem Kontext setzt es eine Landmarke, die zugleich den Übergang zwischen Stadtraum und Wasser betont. Die Kombination aus Wohnen, Arbeiten und öffentlichen Nutzungen im Sockelbau stärkt den urbanen Charakter des Quartiers und verweist auf das Leitbild der HafenCity, funktionsgemischte und belebte Stadträume zu schaffen.

Der Entwurf stammt vom ortsansässigen Architekturbüro Störmer Murphy and Partners, das bereits in einem anderen nahegelegenen Wettbewerbsverfahren einen Holzhybridbau vorgeschlagen hatte. Gemeinsam mit dem Projektentwickler Garbe Immobilien-Projekte GmbH und der Deutschen Wildtier Stiftung wurde das Vorhaben auf dem Baugrundstück weiterentwickelt und schließlich in den Jahren 2020 bis 2024 realisiert. Roots wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und verdeutlicht die weiterhin aufstrebenden Möglichkeiten des Holzbaus im großstädtischen Kontext.
Vom Platz ans Ufer
Der Gebäudekomplex setzt sich aus einem neunzehn-geschossigen Wohnturm und einem östlich anschließenden, L-förmigen Bauteil mit sieben Geschossen zusammen. Ausgeführt ist es als tragende Holzkonstruktion mit aussteifenden Stahlbeton-Treppenhauskernen, die auf einem gemeinsamen, mehrgeschossigen Sockelbauwerk aus Stahlbeton ruhen. Insbesondere die Basis wurde nach den geltenden Hochwasserschutzkriterien konzipiert und erfüllt damit die baulichen Anforderungen an ein sicheres Bauen in Ufernähe.

Die Erschließung des Areals folgt den besonderen topografischen Bedingungen der HafenCity. Zwei großzügige Freitreppenanlagen sowie eine barrierefreie Rampe stellen die Verbindung zwischen dem hochwassersicher angelegten Liselotte-von- Rantzau-Platz und der östlich verlaufenden Lucy-Borchardt- Straße zur tieferliegenden Kaipromenade am Wasser her. Entlang dieser Achsen fügt sich das Hochhaus Roots ein, das mit seinem Sockelbau unmittelbar an die Kaipromenade anschließt und so den Übergang zwischen höher gelegtem Stadtraum und öffentlichem Uferbereich markiert. Damit nimmt es eine Scharnierfunktion ein, die den Hochwasserschutz berücksichtigt und zugleich den direkten Bezug zum Elbgewässer erfahrbar macht.
Roots vereint Leben, Arbeiten und Lernen
Im Sockel sind die Ausstellungsräumlichkeiten der Deutschen Wildtier Stiftung mit der „Botschaft der Wildtiere“ als interaktive Multimedia-Ausstellung zum Thema Natur- und Artenschutz angesiedelt, konzipiert vom Stuttgarter Szenografiebüro Atelier Brückner. Zu den öffentlichen Nutzungen von Erd- und Warftgeschoss zählen neben den Ausstellungsräumen auch eine Lernwerkstatt für Kindergartengruppen und Schulklassen, ein Kinosaal für Naturfilmvorführungen und Gastronomie. Zwischen dem dritten und achtzehnten Obergeschoss entstanden insgesamt 128 frei finanzierte Eigentumswohnungen. Im gesamten flacheren L-Baukörper wurden zudem 53 öffentlich geförderte Mietwohnungen realisiert. Das erste und zweite Obergeschoss des Hochhauses beherbergen Büroflächen, in denen die Verwaltungsabteilung der Deutschen Wildtier Stiftung untergebracht ist.

Holz trägt hoch hinaus
Das Hochhaus ist als Holz-Beton-Hybrid ausgeführt, bei dem neben den tragenden Innen- und Außenwänden als aufgelöste Holzkonstruktion die Decken aus Brettsperrholz gefertigt wurden. Insgesamt kamen dabei rund 5500 Kubikmeter Konstruktionsholz zum Einsatz, ergänzt um weitere Holzmengen für nichttragende Bauteile wie Fassadenverkleidungen, Fenster und Oberflächen. Die vorgefertigten Bauteile, darunter Deckenelemente von etwa 2,5 × 8 Metern und Wandelemente von rund 3 × 8 Metern, erlaubten eine präzise und effiziente Montage auf der Baustelle. Der teilweise sichtbare Einsatz von Holz im Innenraum trägt zudem zur räumlichen Wirkung bei und macht das Materialkonzept unmittelbar erfahrbar.
Fassade mit doppelter Haut
Holz prägt nicht nur die Konstruktion, sondern bestimmt auch das äußere Erscheinungsbild des Turmes. Eine zusätzliche Fassadenhülle mit verschiebbaren Glaselementen zieht sich umlaufend um das Bauwerk und bildet geschützte Loggien und Wintergärten aus.
Die Fassade des angewinkelten Baukörpers ist mit einer vorvergrauten vertikalen Lärchenschalung verkleidet. Im Erdgeschoss bildet eine Kombination aus Pfosten-Riegel-Konstruktion und Faserzementplatten einen optischen Kontrast zu den Obergeschossen. Das Warftgeschoss wiederum umgibt eine Klinkerfassade, entsprechend den gestalterischen Vorgaben der HafenCity.

Parken im Zeichen der Mobilitätswende
Im Untergeschoss wurde für alle Nutzungsbereiche eine gemeinsame Tiefgarage mit knapp 100 Stellplätzen errichtet, die über zwei PKW-Aufzüge erschlossen wird. Einige Parkplätze sind mit Ladeinfrastruktur für Elektromobilität ausgestattet. Insgesamt 50 Stellplätze sind dabei platzsparend in vier halbautomatischen Parksystemen des Typs Combilift 551 von WÖHR angeordnet.
Ergänzend bietet die Tiefgarage, entsprechend dem Mobilitätskonzept des Elbbrückenquartiers, auch Flächen für Carsharing. Der reduzierte Stellplatzschlüssel von 0,4 pro Wohneinheit und der Einsatz der kompakten WÖHR Combilift-Systeme verringerte den benötigten Raum in der Tiefgarage, wodurch Baukosten reduziert werden konnten und die nachhaltige Mobilitätsstrategie des Quartiers unterstützt wird.
Produktinformationen
4x Combilift 551 mit 3x 7er Raster + 1x 6er Raster
Insgesamt 50 Stellplätze
Plattformbelastung 2,6 t
Plattformbreite OG 240 cm & Plattform EG 217 cm
max. Fahrzeuglänge 500 cm
max. Fahrzeughöhe obere Ebene 170 cm
max. Fahrzeughöhe untere Ebene 180 cm
Bedienung per RFID-Chip




Roots Holzhochhaus, Hamburg
Architekten
Störmer Murphy and Partners mit Sitz auf der Hamburger Fleetinsel wurde 1990 als Jan Störmer Architekten gegründet und firmiert seit 2009 unter heutigem Namen. Das Architekturbüro plant und realisiert Bauten für Kultur, Verwaltung, Hotellerie und Wohnen. Das Projektportfolio reicht von der Sanierung denkmalgeschützter Bauten zur Neuplanung, vom Innenausbau zum Städtebau, von der Studie zur Generalplanungstätigkeit. Alle Projekte verbindet ihr Anspruch an technische Innovation, handwerkliche Qualität und eine Haltung, die Architektur als kollektiven Prozess versteht.