Projektreportage

Turley Areal, Mannheim

Stellplatz unterm Sandstein

  • Text: Caroline Kraft
  • Fotos: Klaus Mellenthin

Auf dem Mannheimer Turley-Areal wächst ein neues Stadtquartier mit rund 800 Wohnungen. Größtenteils bereits fertiggestellt, verbinden sich hier denkmalgeschützte Kasernen, Neubauten und Mobilitätslösungen zu urbanem Raum mit Aufenthaltsqualität statt Verkehr.

Eingangsbereich des Turley Areals in Mannheim, das auf die Vergangenheit als Barracke verweist.

Es ist ein interessantes Stück Stadt, das sich da nördlich des Mannheimer Zentrums auftut. Das Areal der ehemaligen Turley Barracks erstreckt sich, gut angebunden, Straßenbahn und Zubringerstraße in unmittelbarer, aber akustisch relativ abgeschirmter Nähe, zwischen ortstypischen Sandsteingebäuden und dem städtischen Herzogenriedpark.

Insgesamt acht über ganz Mannheim verteilte ehemalige US-amerikanische Kasernenflächen werden seit dem Abzug der Truppen umfunktioniert, zu Wohnquartieren, Sportflächen, Gewerbepark oder Grünräumen. Es sind über 500 Hektar, die entwickelt werden wollen und größtenteils schon wurden. Eine Chance für Mannheim – und eine enorme Herausforderung.

Turley Areal: Historie und Wandel

Das Turley-Areal war die erste dieser Konversionsflächen, die von der Stadtentwicklungsgesellschaft MWSP übernommen wurde. Die rund 13 Hektar große Fläche gehört zu den kleineren und ältesten ehemaligen Militärstandorten der Stadt. Als Kaiser Wilhelm-Kaserne in den 1890ern erbaut, diente sie dem deutschen Heer als Standort und war zwischenzeitlich Wohnraum, bis sie mit der Aufrüstung vor Beginn des Zweiten Weltkriegs zum Ausbildungs- und Stationierungsstandort der Nationalsozialisten und schließlich als Turley-Barracks bis 2007 als US-Stützpunkt dienten.

Teilweise stehen sie noch, die inzwischen denkmalgeschützten Kasernengebäude. Sie bilden die städtebauliche, sandsteinrote Kante des neuen Quartiers, nach wie vor Bollwerk, aber mit durchgängigen Balkonen, mit Sonnenschirmen und Pflanzkübeln vor den Fenstern. Größtenteils ist das Quartier entwickelt, insgesamt 800 Wohneinheiten soll es am Ende geben. Das niederländische Architekturbüro MVRDV baut dort das ehemalige Casino der US-Truppen, im Zentrum am Turleyplatz gelegen, zum Gemeinschaftshaus um.

Plateau mit Gassen

Den östlichen Auftakt des Areals an der Grenadierstraße Ecke Fritz-Salm-Straße plant das Team von Max Dudler. Sich streng an den Achsen der Bestandsbauten orientierend, stehen drei quaderförmige Neubauten – zwei Wohnhäuser und eine Kindertagesstätte – auf einem Plateau aus eben jenem roten Sandstein, der auch im Bestand in der Nachbarschaft der kleinen Siedlung gegenübertritt. Diese Fläche ist Quartiersplatz, im Erdgeschoss liegen sich Kita und einige gewerbliche Nutzungen gegenüber.

Die Drohnenaufnahme zeigt einige Häuser des Turley Areals mit Fokus auf die vorgelagerte Parkplatzsituation

Die Anordnung der Fenster, und der Eingangs- und Terrassentüren mit vorgehängten Balkonen ergibt eine gut lesbare, wenn auch detailreich gegliederte Fassade. Oberhalb des roten Sandsteinsockels überzieht ein rotbrauner, mineralischer Kratzputz das Ensemble. Er ist offenporig und verleiht der sonst etwas systematischen Front eine natürliche, unregelmäßige Struktur. Vor den Holzfenstern hängen stählerne Faltläden, vor den Gemeinschaftsräumen perforiert, so dass diese auch von außen gut erkennbar sind. Die Größe der Balkone lässt auf die Größe der Wohnungen schließen – Studierende wohnen hier ebenso wie Mieter im Penthouse mit Dachterrasse.

Die gestaffelten Höhen der Kuben sind an die Traufen des Bestands angepasst. Durch geschickte Setzung entstehen zwischen den Gebäuden schmale Gassen mit Blickbeziehungen in die Umgebung und innerhalb des Quartiers. Die Planenden setzten auf ein Stahlbetontragwerk mit Porotonziegeln – immerhin, die Innenräume der Wohnräume und Kita sind im August angenehm kühl. Unter den Wohnbauten liegt ein gemeinsames Untergeschoss mit Abstellräumen, Fahrradflächen, Technikräumen und der konventionellen Tiefgarage mit Fahrradabstellflächen.

Stadtraum und Dichte

Im direkten Vergleich zu den Dudler-Bauten wirkt das westlich gelegene Ensemble von Schenk-Fleischhaker Architekten urbaner, dichter und uniformer – die Fläche ist aber auch mehr als doppelt so groß. Die drei- bis fünfgeschossige Bebauung mit Lochfassade schließt die Kante zur Friedrich-Ebert-Straße und bietet in einer Tiefgarage knapp 80 Stellplätze für Anwohnende. Unter dem Baufeld IV, über eine Zufahrt an der Heinrich-Wittkamp-Straße zu erreichen, befindet sich außerdem die über 200 Stellplätze fassende, öffentliche Tiefgarage „Turley Parking“.

Aufnahme aus dem Parkhaus des Turley Areals.

Turley liegt in einem dicht bebauten Teil des Stadtteils Neckarstadt- Ost, die Straßenprofile sind schmal, der Parkdruck hoch. Neben konventionellen Tiefgaragenlösungen kommt deshalb auch Technik zum Einsatz, die auf engem Raum höhere Kapazitäten schafft – so auch in der Quartiersgarage „Turley Parking“. Hier verdichtet sich Parkraum auf kleiner Grundfläche – die Combiliftlösung von WÖHR liefert dafür eine Antwort. Mit 11 Anlagen des WÖHR Combilift 542 konnten somit 137 Stellplätze zusätzlich zu den 78 regulären Stellplätzen geschaffen werden. Während Dudler also auf eine konventionelle Parkplatz Lösung setzt, ermöglichen die halbautomatischen Systeme von WÖHR andernorts die Unterbringung doppelter Stellplatzzahlen auf gleicher Fläche.

Für das innerstädtische Quartier bedeutet das: weniger oberirdisch ruhender Verkehr, mehr Aufenthaltsqualität. Der technische Aufwand tritt zurück, die Wirkung auf den Stadtraum bleibt entscheidend. So werden Mobilitätsanforderungen erfüllt, ohne die architektonische und freiräumliche Qualität des Quartiers zu beeinträchtigen – ein Beispiel dafür, wie städtebauliche Dichte, verschiedene Wohnformen und innovative Parksysteme zusammenfinden.


Produktinformationen

11x Combilift 542

Insgesamt 137 Stellplätze
1x 3er Raster + 4x 4er Raster + 1x 5er Raster + 2x 8er Raster + 2x 10er Raster + 1x 12er Raster Plattformbelastung 2,0 t
Plattformbreite 270 cm
max. Fahrzeuglänge 520 cm
Bedienung per RFID-Chip
Sonderanlage mit außenliegendem Leerplatz auf der Einfahrtsebene

Das Bild zeigt die WÖHR-Lösung Combilift 542 in einem Parkhaus im Turley Areal
Weitere Aufnahme der WÖHR-Lösung Combilift 542 in einem Parkhaus im Turley Areal
Schematische Darstellung der WÖHR-Lösung Combilift 542  im Turley Areal
Weitere schematische Darstellung der WÖHR-Lösung Combilift 542  im Turley Areal

Weitere Beiträge